Wie gut sind die Webseiten kleiner Betriebe wirklich?
Über den Zustand der Webseiten kleiner Unternehmen wird viel behauptet und wenig gezählt. Wir haben nachgesehen: 1956 Webseiten von Gastronomie- und Handwerksbetrieben, automatisiert geprüft. Das Ergebnis ist unbequem für alle, die vom Umbau leben, uns eingeschlossen.
Warum wir das gezählt haben
Wir bauen Webseiten für lokale Betriebe. Bevor wir jemanden ansprechen, sehen wir uns dessen bestehende Seite an. Über Monate sind daraus ein paar tausend geprüfte Adressen geworden, und irgendwann lohnt es sich, die eigene Datenbasis einmal auszuwerten, statt die üblichen Zahlen aus Agenturbroschüren weiterzureichen.
Wichtig vorweg: Wir haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass viele Seiten schlecht sind. Genau deshalb steht unten ein eigener Abschnitt zu Methode und Grenzen, und genau deshalb berichten wir auch das Ergebnis, das gegen uns spricht.
Ergebnis 1: Die meisten Seiten sind in Ordnung
Von den 1956 geprüften Adressen konnten wir 1603 Seiten tatsächlich laden und auswerten. Bei 1133 davon fand unsere Prüfung keine benennbare Schwäche. Sie sind für Mobilgeräte gebaut, verschlüsselt ausgeliefert und technisch aktuell genug.
Das widerspricht der gängigen Erzählung. „Fast jeder kleine Betrieb hat eine veraltete Webseite“ ist als Verkaufsargument beliebt und in unseren Daten schlicht nicht haltbar. Sieben von zehn Betrieben, die eine erreichbare Webseite haben, brauchen erst einmal gar nichts.
Ergebnis 2: Das eigentliche Problem sind die Seiten, die gar nicht laden
Die interessanteste Zahl steht nicht bei den schlechten Seiten, sondern davor. Bei 200 von 1956 Betrieben, also etwa jedem zehnten, war unter der öffentlich eingetragenen Adresse überhaupt kein funktionierender Auftritt erreichbar.
Davon lieferten 71 zwar eine Antwort, aber eine leere Seite ohne jeden Inhalt. Bei 63 war der Domainname nicht mehr auflösbar, die Adresse existiert also technisch nicht mehr. 34 antworteten mit einer Fehlermeldung.
Statt der Webseite erscheint die Platzhalterseite eines Anbieters, oft mit dem Hinweis, dass die Adresse zu verkaufen sei. Für Kundinnen und Kunden sieht das aus, als gäbe es den Betrieb nicht mehr.
Auf der eigenen Seite steht, dass der Betrieb aufgegeben wurde. Diese Einträge stehen trotzdem noch in öffentlichen Verzeichnissen.
Die eingetragene Adresse leitet auf eine fremde Seite weiter. Meist wurde die Domain aufgegeben und weiterverkauft, oder der Betrieb ist umgezogen, ohne den Verzeichniseintrag zu ändern.
Das ist der Punkt, den die Debatte über schöne und weniger schöne Webseiten übersieht. Ein veraltetes Design kostet Sympathie. Eine Adresse, unter der nichts lädt, kostet den Kunden vollständig, und zwar den, der Sie gerade gesucht und gefunden hatte.
Besonders unangenehm daran: Wer das Problem hat, merkt es meist nicht. Der Betrieb selbst ruft die eigene Seite selten auf, und wenn, dann über ein Lesezeichen oder aus dem Zwischenspeicher des Browsers, wo sie noch funktioniert.
Ergebnis 3: Wenn es eine Schwäche gibt, ist es meist eine von wenigen
Bei den 470 Seiten mit einem konkreten Mangel verteilen sich die Befunde nicht gleichmäßig. Ein paar wenige Muster machen den Großteil aus.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Das häufigste Zeichen einer vernachlässigten Seite ist nicht das Aussehen, sondern die stehengebliebene Jahreszahl. Sie kostet technisch nichts und sagt Besuchern trotzdem sehr direkt, wann sich zuletzt jemand gekümmert hat. Mehr dazu in Woran erkenne ich, dass meine Webseite veraltet ist?
Was das für Ihren Betrieb bedeutet
Aus den Zahlen folgt eine ziemlich klare Rangfolge, und sie ist eine andere als die, die Ihnen üblicherweise verkauft wird:
- Zuerst prüfen, ob die Seite überhaupt lädt. Tippen Sie Ihre Adresse auf dem Handy von Hand ein, ohne Lesezeichen. Das ist das mit Abstand häufigste echte Problem und meist in einer Stunde behoben.
- Dann auf das Schloss-Symbol achten. Fehlt es, warnt der Browser Ihre Besucher aktiv vor Ihnen. Die Lösung ist bei fast allen Anbietern kostenlos, siehe „Nicht sicher“ im Browser.
- Dann die Inhalte: Öffnungszeiten, Telefonnummer, Jahreszahl im Fuß. Das kostet nichts außer zehn Minuten.
- Erst danach stellt sich die Frage nach Design und Neubau. Nach unseren Zahlen betrifft sie eine deutliche Minderheit, nicht die Mehrheit.
Wenn Ihre Seite lädt, verschlüsselt ist, auf dem Handy funktioniert und aktuelle Angaben enthält, dann gehören Sie zu den sieben von zehn. Dann brauchen Sie keine neue Webseite, und niemand sollte Ihnen etwas anderes erzählen.
Methode und Grenzen
Damit die Zahlen einzuordnen sind, hier offen, wie sie entstanden sind und was sie nicht hergeben.
- Grundgesamtheit: 1956 Webadressen von Gastronomie- und Handwerksbetrieben, entnommen aus öffentlichen Verzeichnisdaten. Schwerpunkt Brandenburg und Berlin, dazu Nordbaden und der Main-Tauber-Kreis. Das ist kein Bundesdurchschnitt.
- Zeitraum: Die Prüfungen stammen aus den Monaten Juni bis August 2026, der Großteil aus einem Durchlauf im August 2026.
- Verfahren: Ein automatisierter Abruf der Startseite und deren Auswertung. Das ist kein vollständiger Website-Audit. Ladezeit, Inhaltsqualität, Barrierefreiheit und Auffindbarkeit bei Google haben wir hier nicht gemessen.
- Die Zahl 222 ist eine Untergrenze. Wir erfassen die Copyright-Jahreszahl nur dann, wenn sie bereits mindestens drei Jahre alt ist. Wie viele Seiten eine aktuelle Jahreszahl tragen, wissen wir daher nicht, und einen Prozentsatz können wir aus dieser Zahl nicht bilden.
- Nicht jede Fehlermeldung ist ein Urteil über den Betrieb. Antwortet ein Server nur vorübergehend nicht oder bremst er unsere Abfragen aus, sagt das nichts über die Webseite. Solche Fälle zählen wir gesondert und nicht als Mangel.
- Abwesenheit ist schwerer zu messen als Anwesenheit. Wo wir eine Seite nur teilweise lesen konnten, werten wir fehlende Merkmale bewusst nicht als Schwäche. Auch deshalb sind die Mangelzahlen eher zu niedrig als zu hoch.
Wir aktualisieren diese Auswertung, wenn sich die Datenlage nennenswert ändert. Stand der hier genannten Zahlen: 16. August 2026.
Fazit
Die Webseiten kleiner Betriebe sind in deutlich besserem Zustand als ihr Ruf. Sieben von zehn erreichbaren Seiten haben keine erkennbare Schwäche. Das größte Problem ist kein Gestaltungsproblem, sondern ein stilles Ausfallproblem: Bei etwa jedem zehnten Betrieb führt die öffentlich eingetragene Adresse ins Leere, und fast niemand davon weiß es. Die zweitwichtigste Beobachtung ist ebenso unspektakulär: Was eine gepflegte von einer vernachlässigten Seite unterscheidet, ist meist nicht das Design, sondern ob die Angaben darauf noch stimmen.
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Kostenlose Vorschau anfragenHäufige Fragen
Sind die Webseiten kleiner Betriebe wirklich so schlecht?+
Nach unserer Messung an 1956 Seiten nicht. Von den 1603 Seiten, die wir lesen konnten, hatten 1133 keine erkennbare Schwäche, das sind gut 70 Prozent. Nur bei 470 Seiten ließ sich überhaupt ein konkreter, benennbarer Mangel feststellen. Die verbreitete Darstellung, fast jeder Betrieb habe eine kaputte Webseite, deckt sich nicht mit den Daten.
Was ist das häufigste Problem bei Webseiten von Betrieben?+
Dass die Seite gar nicht mehr lädt. Bei 200 von 1956 Betrieben, also rund jedem zehnten, war unter der eingetragenen Adresse kein funktionierender Auftritt erreichbar: 168 Adressen luden nicht oder zeigten nichts an, 20 Domains waren geparkt, 12 Betriebe hatten die Schließung selbst angekündigt. Bei weiteren 95 zeigte die eingetragene Adresse woanders hin. Das ist deutlich häufiger als jedes Design- oder Technikproblem.
Wie viele Betriebs-Webseiten sind nicht für Handys gemacht?+
Weniger als oft behauptet. Von 1603 lesbaren Seiten fehlte bei 105 die technische Grundlage für die Handy-Ansicht, das sind 6,6 Prozent. Die große Mehrheit der Seiten kleiner Betriebe ist heute mobiltauglich. Wenn eine Seite auf dem Handy nicht funktioniert, ist das inzwischen die Ausnahme und nicht die Regel.
Woran erkenne ich, ob meine eigene Webseite betroffen ist?+
Der schnellste Test dauert zwei Minuten: Tippen Sie Ihre Webadresse auf dem Handy ein, ohne Lesezeichen und ohne Autovervollständigung. Lädt die Seite überhaupt? Steht ein Schloss-Symbol vor der Adresse? Können Sie alles lesen, ohne zu zoomen? Stimmen Öffnungszeiten und Telefonnummer? Wenn die Seite lädt und diese vier Punkte passen, gehören Sie zur Mehrheit, bei der alles in Ordnung ist.
Weiterführende Artikel:
Passende Ratgeber (Technik, Pflege und Sicherheit): Webseite absichern · Wie oft aktualisieren? · Wer kümmert sich nach dem Launch?