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Wie gut sind die Webseiten kleiner Betriebe wirklich?

Über den Zustand der Webseiten kleiner Unternehmen wird viel behauptet und wenig gezählt. Wir haben nachgesehen: 3329 Webseiten von Gastronomie- und Handwerksbetrieben, automatisiert geprüft. Das Ergebnis ist unbequem für alle, die vom Umbau leben, uns eingeschlossen.

Warum wir das gezählt haben

Wir bauen Webseiten für lokale Betriebe. Bevor wir jemanden ansprechen, sehen wir uns dessen bestehende Seite an. Über Monate sind daraus ein paar tausend geprüfte Adressen geworden, und irgendwann lohnt es sich, die eigene Datenbasis einmal auszuwerten, statt die üblichen Zahlen aus Agenturbroschüren weiterzureichen.

Wichtig vorweg: Wir haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass viele Seiten schlecht sind. Genau deshalb steht unten ein eigener Abschnitt zu Methode und Grenzen, und genau deshalb berichten wir auch das Ergebnis, das gegen uns spricht.

Ergebnis 1: Die meisten Seiten sind in Ordnung

Von den 3329 geprüften Adressen konnten wir 2700 Seiten tatsächlich laden und auswerten. Bei 1960 davon fand unsere Prüfung keine benennbare Schwäche. Sie sind für Mobilgeräte gebaut, verschlüsselt ausgeliefert und technisch aktuell genug.

72,6 %
der lesbaren Seiten (1960 von 2700) hatten keine erkennbare Schwäche.
27,4 %
der lesbaren Seiten (740 von 2700) hatten mindestens einen konkreten, benennbaren Mangel.

Das widerspricht der gängigen Erzählung. „Fast jeder kleine Betrieb hat eine veraltete Webseite“ ist als Verkaufsargument beliebt und in unseren Daten schlicht nicht haltbar. Sieben von zehn Betrieben, die eine erreichbare Webseite haben, brauchen erst einmal gar nichts.

Ergebnis 2: Das eigentliche Problem sind die Seiten, die gar nicht laden

Die interessanteste Zahl steht nicht bei den schlechten Seiten, sondern davor. Bei 368 von 3329 Betrieben, also gut jedem zehnten, war unter der öffentlich eingetragenen Adresse überhaupt kein funktionierender Auftritt erreichbar.

321 ADRESSEN
laden nicht oder zeigen nichts

Bei 141 war der Domainname nicht mehr auflösbar, die Adresse existiert also technisch nicht mehr. 120 lieferten zwar eine Antwort, aber eine leere Seite ohne jeden Inhalt. 60 antworteten mit einer Fehlermeldung.

32 DOMAINS
sind geparkt

Statt der Webseite erscheint die Platzhalterseite eines Anbieters, oft mit dem Hinweis, dass die Adresse zu verkaufen sei. Für Kundinnen und Kunden sieht das aus, als gäbe es den Betrieb nicht mehr.

15 BETRIEBE
haben die Schließung selbst angekündigt

Auf der eigenen Seite steht, dass der Betrieb aufgegeben wurde. Diese Einträge stehen trotzdem noch in öffentlichen Verzeichnissen.

179 ADRESSEN
zeigen inzwischen woandershin

Die eingetragene Adresse leitet auf eine fremde Seite weiter. Meist wurde die Domain aufgegeben und weiterverkauft, oder der Betrieb ist umgezogen, ohne den Verzeichniseintrag zu ändern.

Das ist der Punkt, den die Debatte über schöne und weniger schöne Webseiten übersieht. Ein veraltetes Design kostet Sympathie. Eine Adresse, unter der nichts lädt, kostet den Kunden vollständig, und zwar den, der Sie gerade gesucht und gefunden hatte.

Besonders unangenehm daran: Wer das Problem hat, merkt es meist nicht. Der Betrieb selbst ruft die eigene Seite selten auf, und wenn, dann über ein Lesezeichen oder aus dem Zwischenspeicher des Browsers, wo sie noch funktioniert.

Ergebnis 3: Wenn es eine Schwäche gibt, ist es meist eine von wenigen

Bei den 740 Seiten mit einem konkreten Mangel verteilen sich die Befunde nicht gleichmäßig. Ein paar wenige Muster machen den Großteil aus.

300
Seiten zeigen eine Jahreszahl im Fußzeilen-Copyright, die mindestens drei Jahre zurückliegt. Im Mittel sind es knapp acht Jahre, die älteste nennt 2000.
263
Seiten haben ein Problem mit der Verschlüsselung: 119 haben ein defektes Zertifikat, 108 leiten nicht auf HTTPS um, 36 bieten gar kein HTTPS an. Der Browser warnt dann mit „Nicht sicher“.
213
Seiten haben keine Handy-Ansicht. Das sind 7,9 Prozent der lesbaren Seiten, also deutlich weniger, als in Verkaufsgesprächen üblicherweise behauptet wird.
202
Seiten laden noch die längst abgelöste Programmbibliothek jQuery 1.x, ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass technisch seit Jahren nichts angefasst wurde.
69
Seiten stammen erkennbar aus der Zeit vor 2010. 53 bauen ihr Layout noch mit Tabellen, 32 verwenden <font>-Elemente, 9 arbeiten mit Frames. Diese Merkmale treten oft gemeinsam auf, deshalb ist die Gesamtzahl kleiner als die Summe der drei Einzelwerte.

Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Das häufigste Zeichen einer vernachlässigten Seite ist nicht das Aussehen, sondern die stehengebliebene Jahreszahl. Sie kostet technisch nichts und sagt Besuchern trotzdem sehr direkt, wann sich zuletzt jemand gekümmert hat. Mehr dazu in Woran erkenne ich, dass meine Webseite veraltet ist?

Was das für Ihren Betrieb bedeutet

Aus den Zahlen folgt eine ziemlich klare Rangfolge, und sie ist eine andere als die, die Ihnen üblicherweise verkauft wird:

Wenn Ihre Seite lädt, verschlüsselt ist, auf dem Handy funktioniert und aktuelle Angaben enthält, dann gehören Sie zu den sieben von zehn. Dann brauchen Sie keine neue Webseite, und niemand sollte Ihnen etwas anderes erzählen.

Methode und Grenzen

Damit die Zahlen einzuordnen sind, hier offen, wie sie entstanden sind und was sie nicht hergeben.

Wir aktualisieren diese Auswertung, wenn sich die Datenlage nennenswert ändert. Stand der hier genannten Zahlen: 18. August 2026. Die erste Fassung vom 16. August 2026 beruhte auf 1956 Adressen und kam auf 70,7 Prozent ohne Schwäche. Seitdem ist die Datenbasis um gut 70 Prozent gewachsen, vor allem um Berliner Bezirke, und das Ergebnis hat sich kaum bewegt. Geändert haben wir außerdem eine Kleinigkeit in eigener Sache: Die Aufstellung der einzelnen Mängel zählen wir jetzt ausschließlich innerhalb der Seiten mit Mangel. In der ersten Fassung waren dort sieben Seiten mitgezählt, die wir an anderer Stelle als unauffällig geführt haben.

Fazit

Die Webseiten kleiner Betriebe sind in deutlich besserem Zustand als ihr Ruf. Gut sieben von zehn erreichbaren Seiten haben keine erkennbare Schwäche. Das größte Problem ist kein Gestaltungsproblem, sondern ein stilles Ausfallproblem: Bei gut jedem zehnten Betrieb führt die öffentlich eingetragene Adresse ins Leere, und fast niemand davon weiß es. Die zweitwichtigste Beobachtung ist ebenso unspektakulär: Was eine gepflegte von einer vernachlässigten Seite unterscheidet, ist meist nicht das Design, sondern ob die Angaben darauf noch stimmen.

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Häufige Fragen

Sind die Webseiten kleiner Betriebe wirklich so schlecht?+

Nach unserer Messung an 3329 Seiten nicht. Von den 2700 Seiten, die wir lesen konnten, hatten 1960 keine erkennbare Schwäche, das sind gut 72 Prozent. Nur bei 740 Seiten ließ sich überhaupt ein konkreter, benennbarer Mangel feststellen. Die verbreitete Darstellung, fast jeder Betrieb habe eine kaputte Webseite, deckt sich nicht mit den Daten.

Was ist das häufigste Problem bei Webseiten von Betrieben?+

Dass die Seite gar nicht mehr lädt. Bei 368 von 3329 Betrieben, also gut jedem zehnten, war unter der eingetragenen Adresse kein funktionierender Auftritt erreichbar: 321 Adressen luden nicht oder zeigten nichts an, 32 Domains waren geparkt, 15 Betriebe hatten die Schließung selbst angekündigt. Bei weiteren 179 zeigte die eingetragene Adresse woanders hin. Das ist deutlich häufiger als jedes Design- oder Technikproblem.

Wie viele Betriebs-Webseiten sind nicht für Handys gemacht?+

Weniger als oft behauptet. Von 2700 lesbaren Seiten fehlte bei 213 die technische Grundlage für die Handy-Ansicht, das sind 7,9 Prozent. Die große Mehrheit der Seiten kleiner Betriebe ist heute mobiltauglich. Wenn eine Seite auf dem Handy nicht funktioniert, ist das inzwischen die Ausnahme und nicht die Regel.

Woran erkenne ich, ob meine eigene Webseite betroffen ist?+

Der schnellste Test dauert zwei Minuten: Tippen Sie Ihre Webadresse auf dem Handy ein, ohne Lesezeichen und ohne Autovervollständigung. Lädt die Seite überhaupt? Steht ein Schloss-Symbol vor der Adresse? Können Sie alles lesen, ohne zu zoomen? Stimmen Öffnungszeiten und Telefonnummer? Wenn die Seite lädt und diese vier Punkte passen, gehören Sie zur Mehrheit, bei der alles in Ordnung ist.

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