Viele Gäste bestellen heute lieber online als anzurufen. Das gilt nicht nur für die großen Lieferketten, sondern auch für das kleine italienische Lokal um die Ecke oder das Café, das mittags Suppen und Sandwiches zum Mitnehmen anbietet. Die Frage, die viele Gastronomen stellen: Muss ich dafür wirklich auf Lieferando, Uber Eats oder ähnliche Plattformen setzen?
Die kurze Antwort: nicht unbedingt. Plattformen haben ihren Platz. Aber für viele kleinere Betriebe lohnt es sich, Bestellungen direkt über die eigene Webseite oder per Telefon anzunehmen. Wie das geht und welche Lösung zu welchem Betrieb passt, erkläre ich hier.
Plattformen vs. eigene Webseite: Was spricht wofür?
Plattformen wie Lieferando bringen vor allem eines: Sichtbarkeit gegenüber Neukunden, die noch nie von Ihrem Lokal gehört haben. Wer ein neues Restaurant in einer Großstadt eröffnet, kann davon profitieren. Der Preis dafür sind Provisionen von oft 15 bis 30 Prozent pro Bestellung. Bei einem Gericht für 12 Euro gehen also bis zu 3,60 Euro an die Plattform, bevor Sie auch nur die Zutaten bezahlt haben.
Die eigene Webseite kostet keine Provision. Dafür müssen die Kunden erst wissen, dass es Sie gibt und auf Ihrer Seite landen. Für Betriebe mit einem festen Stamm an Kunden, in einer überschaubaren Stadt oder mit einem aktiven Google-Eintrag ist das kein Problem. Viele stellen fest, dass 80 Prozent ihrer Bestellungen ohnehin von Leuten kommen, die sie schon kennen. Genau für diese Kunden lohnt der direkte Weg.
Die kluge Kombination: Plattformen für neue Kunden nutzen und gleichzeitig auf der eigenen Webseite für Stammkunden einen direkten, provisionslosen Weg anbieten. Beide Kanäle ergänzen sich.
Die einfachste Lösung: Telefon und ein klarer Hinweis
Für viele kleine Restaurants ist die einfachste Lösung auch die beste. Eine große, gut sichtbare Telefonnummer auf der Webseite, die auf dem Handy mit einem Tippen gewählt werden kann, reicht oft völlig. Wer sein Lokal führt, hat ohnehin ein Telefon in der Küche. Ein Anruf bedeutet keinen technischen Aufwand, keine Monatsgebühren, keine Schnittstellen, die kaputt gehen können.
Damit das gut funktioniert, braucht die Webseite drei Dinge:
- Eine antippbare Telefonnummer ganz oben auf der Seite (nicht erst unten im Impressum).
- Klare Angaben, zu welchen Zeiten Bestellungen möglich sind und ob Lieferung, Abholung oder beides angeboten wird.
- Eine kurze, aktuelle Speisekarte, damit der Gast schon weiß, was er bestellen will, bevor er anruft.
Das ist unaufwändig, kostenlos und funktioniert. Die meisten Stammkunden stört das nicht. Wer sich lieber nicht auf's Telefon einlassen will, kann zusätzlich eine WhatsApp-Schaltfläche einbauen. Ein Tipp auf "Nachricht schicken" öffnet direkt einen Chat, und die Bestellung läuft per Text rein. Viele Betriebe mit hauptsächlich mobilem Publikum berichten, dass das besser angenommen wird als ein Formular.
Die nächste Stufe: Ein Online-Bestellformular
Wer mehr Bestellungen hat oder den Kunden etwas Komfortableres bieten möchte, kann ein Bestellformular in die Webseite einbauen. Der Gast wählt seine Gerichte aus, gibt Name und Telefonnummer an und schickt die Bestellung ab. Sie bekommen eine E-Mail oder eine Benachrichtigung und rufen zurück, um zu bestätigen und eine Uhrzeit abzusprechen.
Diese Lösung braucht kein Bezahlsystem und keine komplizierte Technik. Sie ist günstig umzusetzen und für viele kleine Abholbetriebe völlig ausreichend. Der Nachteil: Sie müssen die Bestellung noch manuell bestätigen. Das dauert ein paar Minuten und ist bei hohem Bestellvolumen mühsam.
Für mehr Volumen: Warenkorb und Online-Bezahlung
Wenn täglich viele Bestellungen reinkommen und Sie nicht jede einzeln bestätigen wollen, lohnt sich ein vollwertiges Bestellsystem mit Warenkorb und Online-Bezahlung. Der Gast wählt die Gerichte, bezahlt direkt auf der Webseite und bekommt eine automatische Bestätigung. Sie sehen die Bestellungen in einem Dashboard und schicken sie in die Küche.
Solche Systeme gibt es von spezialisierten Anbietern für Gastronomen. Die Kosten liegen je nach Anbieter und Umfang bei 30 bis 80 Euro im Monat. Das rechnet sich, wenn die Provision, die Sie dadurch einsparen, höher liegt. Als Faustregel: Ab etwa 50 Direktbestellungen im Monat amortisiert sich ein eigenes System meist schon gegenüber den Plattformgebühren.
Eine einfachere Variante: Zahlungslinks, die Sie per Stripe oder einem ähnlichen Anbieter erstellen und direkt in die Webseite einbauen. Kein Warenkorb, aber der Gast kann direkt bezahlen. Das passt gut für Betriebe mit einer überschaubaren, wenig wechselnden Karte. Wir nutzen diesen Ansatz selbst in unseren Demos, zum Beispiel beim Trattoria-Beispiel.
Was auf der Webseite immer sichtbar sein sollte
Unabhängig davon, welchen Weg Sie wählen, gibt es ein paar Informationen, die auf jeder Restaurant-Webseite mit Lieferservice klar sichtbar sein müssen. Viele Kunden brechen ihren Bestellversuch ab, weil diese Infos fehlen oder schwer zu finden sind:
- Abholzeiten und Lieferzeiten getrennt angeben, falls beides angeboten wird.
- Liefergebiet und Mindestbestellwert klar nennen, damit Frustration auf beiden Seiten ausbleibt.
- Vorbestellungsfrist: Muss man mindestens 30 Minuten vorher bestellen? Das gehört sichtbar hin.
- Bezahlmöglichkeiten: Bar bei Abholung, Karte, PayPal oder Online-Zahlung. Kunden wollen das vorab wissen.
- Telefonische Bestellung als Fallback immer anbieten. Nicht jeder bestellt gern online.
Wann lohnt sich was?
Es gibt keine universelle Antwort, aber eine einfache Orientierung:
- Wenige Bestellungen, viele Stammkunden: Telefon + klarer Hinweis auf der Webseite reicht völlig.
- Mittleres Volumen, kein Personal für Anrufe: Formular + E-Mail-Benachrichtigung ist sinnvoll.
- Hohes Volumen, Selbstständigkeit von Plattformen: Eigenes System mit Warenkorb und Bezahlung rechnet sich.
- Neukundenwachstum gewünscht: Plattform nutzen und gleichzeitig auf der eigenen Seite einen direkten Weg anbieten.
Viele Betriebe fangen mit der einfachen Lösung an und rüsten aus, wenn das Volumen es verlangt. Das ist klüger als gleich in ein teures System zu investieren, das man vielleicht nie richtig braucht.
Die Webseite als Bestellkanal aufbauen
Der entscheidende Punkt ist nicht das System dahinter, sondern die Sichtbarkeit. Eine Bestellmöglichkeit, die Kunden erst suchen müssen, wird kaum genutzt. Was funktioniert:
- Einen eigenen Abschnitt "Bestellen & Abholen" auf der Startseite einrichten, nicht nur eine kleine Schaltfläche ganz unten.
- Den Abschnitt mit der Speisekarte direkt verknüpfen, damit der Gast nicht zwischen zwei Seiten wechseln muss.
- Auf dem Google-Eintrag und in sozialen Medien auf den Bestellbereich hinweisen.
- QR-Codes im Lokal, auf Flyern oder auf Verpackungen platzieren, die direkt zum Bestellbereich der Webseite führen. Mehr dazu im Artikel über QR-Codes für Betriebe.
Eine zeitgemäße Restaurant-Webseite, auf der Bestellungen und Abholaufträge einfach und ohne Provision laufen können, kostet nicht viel. Was es braucht, ist ein klares, auf dem Handy gut bedienbares Layout und die richtigen Informationen am richtigen Platz. Was genau auf eine Restaurant-Webseite gehört, lesen Sie in unserer Restaurant-Webseite-Checkliste.
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Kostenlose Vorschau anfordernHäufige Fragen
Muss ich Lieferando nutzen, um online Bestellungen anzunehmen? +
Nein. Plattformen wie Lieferando bringen Reichweite, nehmen aber 15 bis 30 Prozent Provision pro Bestellung. Wer Stammkunden hat oder in einer überschaubaren Stadt bekannt ist, kann Bestellungen günstiger direkt über die eigene Webseite, per Telefon oder per WhatsApp annehmen. Die Kombination aus eigenem Auftritt und einer Plattform für neue Kunden ist für viele Betriebe die sinnvollste Lösung.
Was kostet eine Online-Bestell-Funktion auf der Webseite? +
Das hängt davon ab, wie komplex die Lösung sein soll. Ein einfaches Bestellformular mit E-Mail-Benachrichtigung lässt sich in eine bestehende Webseite integrieren und verursacht kaum Zusatzkosten. Ein vollwertiges System mit Warenkorb, Bezahlung und Lieferzeit-Wahl kostet je nach Anbieter 30 bis 80 Euro im Monat. Für die meisten kleinen Restaurants lohnt sich der Start mit der einfachen Variante.
Reicht eine Telefonnummer auf der Webseite für Bestellungen? +
Für viele kleine Betriebe absolut. Eine gut sichtbare, antippbare Telefonnummer auf der Webseite ist die einfachste und günstigste Art, Bestellungen entgegenzunehmen. Wer sein Telefon ohnehin in der Küche hat, verliert dabei kaum etwas im Vergleich zu einem Online-Formular. Entscheidend ist, dass die Nummer groß und gut sichtbar ist und auf dem Handy direkt gewählt werden kann.
Wie zeige ich auf der Webseite, ob Lieferung oder Abholung verfügbar ist? +
Am besten mit einer kurzen, klaren Sektion direkt unterhalb der Speisekarte oder im oberen Bereich der Seite: welche Zeiten für Abholung gelten, ob und wohin geliefert wird, und wie die Mindestbestellmenge aussieht. Viele Kunden entscheiden sich genau an dieser Stelle, ob sie bestellen oder woanders suchen. Je klarer diese Informationen sind, desto weniger Rückfragen bekommen Sie.
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